Es war einmal ein Mädchen, das hatte keine Lust etwas zu machen. Sie wollte den lieben langen Tag einfach nur auf der Wiese liegen und die Vögel beobachten. Und die Vögel waren wirklich faszinierend! Mal flogen sie in Kreisformen, dann in einem Viereck und dann alle ganz wild durcheinander. Es war so schön für sie den ganzen Tag nur auf den Himmel zu gucken. Es wurde auch mal heller und blauer. An anderen Tagen wurde es grau und regnete. Sie ließ den Regen einfach auf sich prasseln und ließ sich nicht beirren. Sie lag einfach nur da, den lieben langen Tag und beobachtete den Himmel. Doch dann kam ihr Vater angerannt und schimpfte mit ihr: „Liebes Kind, Du kannst doch nicht nur da liegen! Hilf lieber deinem Vater die Pferde satteln.“ Denn der Vater war der Knappe eines angesehenen Ritters. Doch das Mädchen blieb liegen und sagte: „Nein, lieber Vater. Ich bleibe lieber liegen.“ Der Vater ging davon und schüttelte nur den Kopf. Dabei murmelte er: „Nur den ganzen Tag da liegen… wie soll das nur enden?“ Nun sattelte er die Pferde und das Mädchen beobachtete weiter den Himmel. Als er alle Pferde gesattelt hatte, ging er wieder auf seine Tochter zu und sagte: „Sieh doch: Ich habe den ganzen Stall voller Pferde gesattelt. Und du? Du hast für die Zeit nichts vorzuweisen, was du getan hast.“ Da antwortete ihm die Tochter keck: „Das brauche ich auch nicht. Alles was ich erlebt habe ist doch hier drin.“ Dabei tippte sie sich an ihren Kopf. Der Vater schüttelte wieder nur den Kopf. Dann ergänzte sie: „Und die Pferde satteln muss ich ja nicht mehr, das hast schon du gemacht.“ Beim Weggehen murmelte er: „Auweia, was soll das noch werden aus der kleinen Dame.“ Das Mädchen amüsierte sich darüber und lachte. Sie legte die Hände hinter ihren Kopf und schloss kurz die Augen. Sie seufzte und streckte sich. Das war das anstrengendste, das sie an ihrem Tag tat. Kurz darauf kam ein Bauer vorbei und wunderte sich: „Nanu? Warum liegst du denn im Gras? Willst du nicht lieber bei der Prinzessin sein und Kleider anprobieren?“ Das Mädchen öffnete die Augen und mit einem müden Lächeln auf den Lippen antwortete sie: „Nein, das will ich nicht. Ich will nur hier liegen.“ Der Bauer guckte sehr verwirrt. „Aber alle Mädchen wollen doch am liebsten die Kleider der Prinzessin anprobieren?! Es steht eine sehr lange Schlange vor dem Palast. Und du möchtest nur hier liegen?“ Das Mädchen grinste und nickte: „Genau, das will ich tun.“ Der Bauer kratzte sich am Kopf und sagte: „Weißt du – ich hätte eine Aufgabe für dich. Du könntest bei mir das Unkraut von den Feldern pflücken.“ Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein, das mache ich lieber nicht.“ Der Bauer konnte sich gar keinen Reim darauf machen und sagte: „Nun gut… ich würde dich auch sehr gut bezahlen. Du sollst 20 Taler bei erledigter Arbeit erhalten.“ Allerdings schüttelte das Mädchen wieder den Kopf: „Nein, aus Geld mache ich mir nichts.“ Der Bauer war ganz verdattert und sagte: „Ja… nun gut… Dann frage ich mal in der Stadt nach, wer denn 20 Taler verdienen möchte.“ Als er wegging, winkte sie ihm hinterher und rief: „Viel Glück!“. Wieder schaute sie in den Himmel. Nun folgte eine ihrer Lieblingsmomente: Wolken kamen und nahmen unterschiedliche Gestalten an. Erst gab es eine Wolke, die einem Herzen glich. Dann folgte eine, die wie ein Häschen zwischen den anderen hervorkam. Und kurz bevor die Wolken ganz verschwunden waren, gab es noch eine, die ihrem Lieblingstier glich: Ein Pandabär. Aus der Ferne hörte sie wieder Schritte. Es waren der Bauer und zwei weitere Männer. Als er sie sah, deutete er mit dem Finger auf sie: „Hah, seht euch das Mädchen dort an! Das hat vorhin die Taler ausgeschlagen, die ihr bekommen werdet.“ Die Männer grinsten ihr zu und sagten: „Tja, wir werden jetzt jeder 10 Taler bekommen. Vielen Dank, junge Frau.“ Das Mädchen rief ihnen noch zu: „Viel Spaß beim Unkraut pflücken!“ Insgeheim wunderte sie sich über die Aussage des Bauern. Hatte er vorhin nicht 20 Taler angeboten für ihre Arbeit allein? Der Bauer rief ihr zu: „Und du machst wieder nichts?“ Sie erwiderte: „Nein, das muss ich ja nicht. Für das Unkraut pflücken hast du ja schon jemand anderen gefunden.“ Der Bauer schüttelte nur den Kopf und ging mit seinen zwei Helfern zum Feld.  Dann zuckte sie mit ihren Schultern und genoss nun eine Windbriese, die jetzt ihren ganzen Körper kitzelte. Das war ein großer Genuss für sie. Denn sie mochte den Wind, der über ihren ganzen Körper fuhr – bis hinein in ihre Nasenspitze. Vor allem nach dem Regen hatte er einen ganz besonderen Geruch. Nach einiger Zeit hörte sie Geklapper von Hufen. Sie blickte in die Ferne und sah dort eine große Pferdekutsche, die vergoldet war. Die Kutsche kam immer näher und sie ahnte schon, wer das sein mochte. Es waren blaue Vorhänge an der Kutsche befestigt. Und die Person aus dem Königreich, die am bekanntesten dafür war, dass sie blau mochte, war der Prinz. Sie dachte darüber nach, wie es sein musste, ein Prinz oder eine Prinzessin zu sein. Als die Kutsche fast an der Stelle angekommen war, an der sie lag, stoppte sie. Der Prinz lugte durch die Vorhänge und hatte seinem Kutscher wohl befohlen, die Kutsche anzuhalten. Der Kutscher kam nun um die Ecke, um dem Prinzen aus der Kutsche zu helfen. Der Prinz ging aus der Kutsche und auf das Mädchen zu. „Liebes Mädchen, du lagst hier und sahst so schön aus. Ich dachte mir, vielleicht magst du mit mir mitkommen und ich zeige dir den Palast? Deine Schönheit könnte den Palast in neuen Farben erstrahlen lassen.“ Das Mädchen überlegte eine ganze Weile. Dann sagte sie: „Danke, mein lieber Prinz! Das schmeichelt mir. Aber ich würde viel lieber hier liegen bleiben.  Das Leben als Prinz stelle ich mir sehr beschwerlich vor und ich genieße es sehr, hier zu sein.“ Der Prinz war erstaunt: „Du willst nicht mit mir mitkommen? Ich könnte dir alles geben, was du gerne hast. Alles Obst der Welt würde ich dir kaufen. Ein Streicherquartett soll kommen und dir die tollsten Lieder spielen.“ Dann sagte das Mädchen: „Aber du kannst das tollste Obst doch auch ohne mich kaufen. Und ein Streicherquartett würde dir bestimmt auch ohne mich gefallen. Sieh es doch mal so: Wir kennen uns gar nicht und ich will viel lieber hierbleiben.“ Der Prinz schwieg nun seinerseits eine ganze Weile. Dann sagte er: „Ja, ich denke da hast du recht.“ Er setzte sich nun in das Gras und schaute auf den Himmel. „Mein Name ist übrigens William.“ Das Mädchen lächelte ihn an und sagte: „Nett dich kennenzulernen.“

Sie drehten ihre Köpfe und blickten gemeinsam auf den Himmel. Die Vögel zogen Kreise, die Sonne ging unter und der Himmel wurde in ein warmes Rot getaucht.

Von Nicolai